Total Sozial e.V. - Dessau Community Organizing
Hauptmenü
Anmeldung



CO Kommt PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Dienstag, den 08. Dezember 2009 um 19:36 Uhr

CO - Kommt

Die Verfechter der" Bürgervereine" hat Warnfried Dettling neulich in einem Vortrag
auf dem Forum des Berliner Hauptstadtkongresses (12.01.2007) vor eine große
Herausforderung gestellt: Entweder gelingt es, die Bürgergesellschaft als Leitbild für die
gesamte Entwicklung von Staat, Markt und Gesellschaft zu platzieren oder sie wird bald
als überholte Modeerscheinung verschwinden. Ein „homöopathisches Verständnis“ der
Bürgergesellschaft, „eine Bürgergesellschaft light“, so Dettling, genügt der
gegenwärtigen Problemlage nicht und wird keine lange Lebensdauer haben.
Diese Aussage kann als Einführung in das Selbstverständnis von Community
Organizing (CO) dienen. Daher wird zuerst die Sichtweise von CO auf die
Bürgergesellschaft dargestellt, um dann diesen Ansatz in die breitere Palette des
bürgerschaftlichen Engagements einzuordnen.
Erstens: CO begreift die Bürgergesellschaft als politisch im weitesten und
ursprünglichsten Sinn. Die Bürger, vor allem als miteinander verbundene und
organisierte Bürger, bilden ein notwendiges Gegenüber zu Staat und Wirtschaft. Die
Bürgergesellschaft erstreckt sich daher nicht nur auf verschiedene Formen der
gesellschaftlichen Dienstleistung, auf Ehrenamt, Freiwilligeneinsatz und Philanthropie,
sondern und vor allem auch auf neue Partizipations- und Gestaltungsansätze, die nicht
nur für, sondern von und mit Bürgerinnen und Bürgern in ihrem jeweiligen Gemeinwesen
verwirklicht werden. Es geht darum, wirklichen Einfluss auf Entscheidungen und auf
Strukturen, die die Menschen unmittelbar betreffen, zu nehmen. Auf dem Spiel steht
letztendlich nicht nur eine bessere Lebensqualität, sondern auch die Zukunft der
Demokratie als Lebens- und nicht nur als Regierungsform.
Zweitens: Eine starke und in ihrer Gesamtheit verstandene Bürgergesellschaft muss
insbesondere in der Mitte und bei den Schwachen der Gesellschaft ansetzen. Sie darf
nicht nur als Wirkungsfeld der Elite und der ohnehin Einflussreichen angesehen werden.
Deswegen fängt CO bei den Menschen in den Stadtteilen an. Es gilt allen im
Gemeinwesen vertretenen Gruppierungen eine Beteiligung zu ermöglichen. Das
benötigt eine gezielte und nachhaltige Ressourcensicherung für eine kompetente
personengestützte Begleitung vor allem von Bevölkerungsgruppen, „deren Ausstattung
nicht ohne weiteres ausreicht, um im Konzert der Bürgergesellschaft ein hörbares
Instrument zu spielen“ (W. Hinte).
Drittens: Während Staat und Wirtschaft Rahmenbedingungen setzen und als
Unterstützer der Bürgergesellschaft in die Pflicht genommen werden müssen, sollen sich
zivilgesellschaftliche Akteure ohne Bevormundung der anderen beiden Sektoren
selbstständig vor Ort organisieren können, d. h. „von innen und von unten“, nicht „von
außen und von oben“. Ziel solcher Selbstorganisationsprozesse ist es, gemeinsam und
auf Augenhöhe als anerkanntes Gegenüber von Staat und Markt öffentlich mitwirken zu
können. Denn eine auf drei Säulen ruhende Gesellschaft kann nur gedeihen, wenn sich
neben einem starken Staat und einer leistungsfähigen Wirtschaft eine relativ autonome
und handlungsfähige Zivilgesellschaft entwickelt.
Viertens: CO versteht Demokratie und demokratische Partizipation nicht als
harmonischen Gleichklang, sondern als „Harmonie der Dissonanz“, wie es einmal der
Amerikaner, Saul Alinsky, der Begründer des CO-Ansatzes, formulierte. Deshalb
reagiert CO skeptisch auf allgegenwärtige Steuerungsansprüche des Staates/der Stadt.