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CO - Kommt
Die Verfechter der" Bürgervereine" hat Warnfried Dettling neulich in einem Vortrag auf dem Forum des Berliner Hauptstadtkongresses (12.01.2007) vor eine große Herausforderung gestellt: Entweder gelingt es, die Bürgergesellschaft als Leitbild für die gesamte Entwicklung von Staat, Markt und Gesellschaft zu platzieren oder sie wird bald als überholte Modeerscheinung verschwinden. Ein „homöopathisches Verständnis“ der Bürgergesellschaft, „eine Bürgergesellschaft light“, so Dettling, genügt der gegenwärtigen Problemlage nicht und wird keine lange Lebensdauer haben. Diese Aussage kann als Einführung in das Selbstverständnis von Community Organizing (CO) dienen. Daher wird zuerst die Sichtweise von CO auf die Bürgergesellschaft dargestellt, um dann diesen Ansatz in die breitere Palette des bürgerschaftlichen Engagements einzuordnen. Erstens: CO begreift die Bürgergesellschaft als politisch im weitesten und ursprünglichsten Sinn. Die Bürger, vor allem als miteinander verbundene und organisierte Bürger, bilden ein notwendiges Gegenüber zu Staat und Wirtschaft. Die Bürgergesellschaft erstreckt sich daher nicht nur auf verschiedene Formen der gesellschaftlichen Dienstleistung, auf Ehrenamt, Freiwilligeneinsatz und Philanthropie, sondern und vor allem auch auf neue Partizipations- und Gestaltungsansätze, die nicht nur für, sondern von und mit Bürgerinnen und Bürgern in ihrem jeweiligen Gemeinwesen verwirklicht werden. Es geht darum, wirklichen Einfluss auf Entscheidungen und auf Strukturen, die die Menschen unmittelbar betreffen, zu nehmen. Auf dem Spiel steht letztendlich nicht nur eine bessere Lebensqualität, sondern auch die Zukunft der Demokratie als Lebens- und nicht nur als Regierungsform. Zweitens: Eine starke und in ihrer Gesamtheit verstandene Bürgergesellschaft muss insbesondere in der Mitte und bei den Schwachen der Gesellschaft ansetzen. Sie darf nicht nur als Wirkungsfeld der Elite und der ohnehin Einflussreichen angesehen werden. Deswegen fängt CO bei den Menschen in den Stadtteilen an. Es gilt allen im Gemeinwesen vertretenen Gruppierungen eine Beteiligung zu ermöglichen. Das benötigt eine gezielte und nachhaltige Ressourcensicherung für eine kompetente personengestützte Begleitung vor allem von Bevölkerungsgruppen, „deren Ausstattung nicht ohne weiteres ausreicht, um im Konzert der Bürgergesellschaft ein hörbares Instrument zu spielen“ (W. Hinte). Drittens: Während Staat und Wirtschaft Rahmenbedingungen setzen und als Unterstützer der Bürgergesellschaft in die Pflicht genommen werden müssen, sollen sich zivilgesellschaftliche Akteure ohne Bevormundung der anderen beiden Sektoren selbstständig vor Ort organisieren können, d. h. „von innen und von unten“, nicht „von außen und von oben“. Ziel solcher Selbstorganisationsprozesse ist es, gemeinsam und auf Augenhöhe als anerkanntes Gegenüber von Staat und Markt öffentlich mitwirken zu können. Denn eine auf drei Säulen ruhende Gesellschaft kann nur gedeihen, wenn sich neben einem starken Staat und einer leistungsfähigen Wirtschaft eine relativ autonome und handlungsfähige Zivilgesellschaft entwickelt. Viertens: CO versteht Demokratie und demokratische Partizipation nicht als harmonischen Gleichklang, sondern als „Harmonie der Dissonanz“, wie es einmal der Amerikaner, Saul Alinsky, der Begründer des CO-Ansatzes, formulierte. Deshalb reagiert CO skeptisch auf allgegenwärtige Steuerungsansprüche des Staates/der Stadt.
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